Liebe Gemeinde!

Als wir letztes Jahr mit unseren Konfirmanden auf KonfiCamp im Knüllhouse in Neukirchen waren, haben wir ein besonderes Experiment gemacht. Die Jugendlichen haben sieben Zettel bekommen, auf die sie sieben wichtige Dinge schreiben sollten. Dinge, auf die sie nur ungerne verzichten würden. Diese Zettel haben wir dann in kleine Stoffsäckchen gelegt und uns damit auf eine Wanderung begeben. Unterwegs gab es sieben Stationen, an denen die Jugendlichen jeweils einen ihrer Zettel abgeben mussten. Die Reihenfolge durften sie selbst bestimmen. Und dann haben wir darüber gesprochen: Wie fühlt es sich für Dich an, diese wichtige Sache in Deinem Leben hergeben zu müssen? Meinst Du, Du könntest tatsächlich eine Zeit lang darauf verzichten?

Im Moment komme ich mir vor wie bei diesem Spiel, nur dass es jetzt Realität geworden ist. Nach und nach muss ich Dinge abgeben, dir mir sonst wichtig und lieb in meinem Leben sind: Meine Familie besuchen, mit Freunden zusammensitzen, Gottesdienst feiern, Gemeindegruppen treffen, bei den warmen Temperaturen ein Eis in der Eisdiele essen oder ins Kino gehen. 

Das ist bitter und eine Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Aber ich weiß, dass es viele noch weitaus härter getroffen hat: Alle, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Die, die jetzt um ihre Existenz bangen müssen. Ältere Menschen, die nun nicht mehr besucht werden können. Und vor allem die, die krank sind. 

Bei unserem Spiel war es so, dass die Jugendlichen für jeden Zettel, den sie hergeben mussten, etwas anderes zurückbekommen haben, z.B. einen schönen Gegenstand aus der Natur oder ein Kreuz als Zeichen für die Hoffnung, die uns Christen trägt.

Das ist eine Erfahrung, die ich im Moment ebenso mache. Ich muss auf vieles verzichten, aber ich bekomme auch manches geschenkt: Z.B. habe ich gestern mit einer Freundin telefoniert, mit der ich schon seit Monaten nicht mehr gesprochen habe, weil immer die Zeit dafür fehlte. Ich freue mich - so sehr wie wahrscheinlich noch nie in einem Frühling - an dem blühenden Forsythienstrauch vor meinem Fenster und an dem Zitronenfalter, der dort schon seit ein paar Tagen seine Kreise zieht. Und ich bin berührt von so vielen Zeichen der Mitmenschlichkeit. Wenn sich z.B. in Spanien Tausende Menschen via Internet verabreden und am Abend von ihren Fenstern aus Beifall für das überlastete Krankenhauspersonal klatschen. Oder wenn hier bei uns junge Menschen bei älteren anrufen und nachfragen: „Kann ich Ihnen etwas aus dem Supermarkt mitbringen?“

An einer Station haben die Konfirmanden auf unserer Wanderung letztes Jahr für ihren hergegeben Zettel eine Karte mit einem Bibelwort bekommen: Jesus Christus spricht: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? (Mt 6,26)

Es ist ein einfaches und schlichtes Wort. Keine große Rede mit vielen Argumenten. Sondern nur ein Beispiel aus unserem ganz gewöhnlichen Alltag. Und doch steckt in diesem Wort eine unfassbare Kraft. Wenn ich es lese, dann merke ich, wie es etwas in mir verändert. Für einen Augenblick bekomme ich Mut und Hoffnung. Gott hat uns nicht vergessen. Wir sind ihm wichtig. Er sorgt für uns. Auf welche Weise auch immer.

In meiner Konfirmanden-Mappe habe ich noch eine Karte mit dem Bibelwort gefunden. Sie steht jetzt auf unserem Wohnzimmertisch. Weil ich ahne: Es wird auch wieder Momente geben, in denen die Sorgen die Überhand gewinnen oder Angst, Traurigkeit und Zweifel. Dann brauche ich eine Erinnerung an das, was Jesus gesagt hat:

Sieh die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
 

Herzliche Grüße und bleiben Sie/bleibt Ihr behütet!

Ihre/Eure Pfarrerin Emilie Weinreich

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