Liebe Leserinnen und Leser!

dieser Tisch begleitet mich seit 30 Jahren. Er steht im Amtszimmer, zuerst in Bottendorf, dann in Hofgeismar und nun seit drei Jahren in Frankenberg. Über ihm hängt jetzt das Bild von der Liebfrauenkirche, das ich zu meiner Einführung vom Kirchenvorstand geschenkt bekommen habe.

Der Tisch stammt aus Familientradition. Wie alt er ist, weiß ich nicht.

Er hätte wohl manches zu erzählen.

Vielleicht hat er schon den ersten Weltkrieg und die spanische Grippe vor 100 Jahren erlebt - mit bitteren Nachrichten, die an ihm gehört, besprochen und beweint wurden. Gewiss stand er im Haus, als in der Zeit des Zweiten Weltkrieges die Todesnachrichten von Onkel Emil und Onkel Heinrich ins Haus kamen.

Außer diesen schweren Ereignissen gab es sicherlich auch viel Grund zur Freude, um an diesem Tisch anzustoßen und miteinander zu essen und zu trinken: Geburten, Hochzeiten, gute Ernten, Jubiläen und alltägliche Begegnungen.

Der Tisch ist ein Einzelstück, Handwerksarbeit mit Intarsien. Ich sitze gerne daran und freue mich; auch wenn der Zahn der Zeit und der Holzwurm schon an ihm genagt haben.

In der Zeit, in der er zu mir gehört, haben wir schon viel zusammen erlebt: seelsorgerliche Gespräche,
Gespräche mit Ehepaaren, die von der Geschichte ihres Kennenlernens und ihrer Liebe erzählt haben und ihre Trauung planen,

Tränen von Angehörigen, die einen na- hen Menschen verloren haben und den Tod im Pfarramt bekannt geben, engagierte Mitarbeitende in der Gemeinde, die zur Planung von Konfirmandenfreizeit, vom musikalischen Gottesdienst und anderen Dingen ihre Gedanken austauschen,

Zivildienstleistende und Vikare, die zum Dienstgespräch da waren,
um über ihre Lernerfahrungen sprechen und ihre Ideen und Pläne entwickeln.

Der Tisch wird für mich zum Sinnbild für das Leben,
dafür, verschiedene Menschen an einen Tisch zu bringen,
für das Vertrauen, nicht über den Tisch gezogen zu werden,
aber auch dafür, nichts unter den Tisch fallen zu lassen,
sondern die nötigen Dinge auf den Tisch zu bringen.

Der Tisch hat auch in unseren Kirchen eine zentrale Bedeutung:
für den Empfang von Brot und Wein im Heiligen Abendmahl,
für Essen und Begegnung, für Stärkung an Leib und Seele.

Durch die Corona-Pandemie waren viele unserer Tische lange verwaist und leer, nun werden sie hoffentlich nach und nach wieder Orte der Begegnung, des Gesprächs, des Essens und Trinkens: in den Wohnungen und Häusern, in Gast- stätten und im Freien, in den Dienstzimmern und in unseren Kirchen und Ge- meindehäusern.

Der Tisch ist Sinnbild für Leben und Begegnung; in der Heiligen Schrift auch Bild für Gottes neue Welt: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“ (Lukas 14,29).

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer
Reinhold Schott

 

Die nächsten Termine

Mi Okt 28 @18:30 -
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Sa Okt 31 @17:00 -
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So Nov 01 @09:30 -
Gottesdienst
So Nov 01 @10:30 -
Gottesdienst
So Nov 01 @11:00 -
Gottesdienst
Sa Nov 07 @11:00 -
47. Frankenberger Orgelmatinee
Sa Nov 07 @18:00 -
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So Nov 08 @10:30 -
Gottesdienst

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